Die
Wiege der Menschheit liegt in Afrika; Und der Anfang der Transplantationsmedizin
auch.
1967 gelang Christiaan Barnard in Kapstadt die erste Herztransplantation
am Menschen. Obwohl Amerika und Europa entwicklungstechnisch ebenso
zu einer solchen medizinischen Leistung in der Lage gewesen wäre,
fand dieser geschichtsträchtige und paradigmatische Schritt
gerade deshalb in Südafrika statt, weil die anderen Staaten
aus ethischen Gründen zögerten.
Auch heute meinen die einen, dass Fortschritt nur dann möglich
ist, wenn man sich nicht einschränken muss - zum Beispiel aus
ethischen Gründen. Die anderen halten dagegen, dass wir gerade
aufgrund unserer hohen geistigen Entwicklungsstufe die Pflicht und
auch überhaupt erst die Möglichkeit dazu haben, gewisse,
von der Evolutionsbiologie abhängige Ausformungen bewusst zu
unterbinden, und gerade dadurch die menschliche Entwicklung aktiv
und fortschrittlich gestalten. Folglich entstehen ethische Erwartungshaltungen
an die Gesellschaft, zum Beispiel die, dass eben nicht mehr nur
"der Stärkere überleben darf", sondern kraft
unserer Kontrolle eine brutale "natürliche Auslese"
verhinderbar ist.
Gerade
in der Humanmedizin und bei Tierversuchen stellt sich die ethische
Frage oft dringlicher, als dies beispielsweise bei mindestens
ebenso relevanten politischen oder ökonomischen Entscheidungen
der Fall sein müsste; Unmittelbare Eingriffe in die Biologie
alarmieren.
Immer wieder werden mit solchen Diskussionen auch die grundsätzliche
Fragen um die Aktualität ethischer Diskurse aufgeworfen:
Wo schlägt sich der Geist dabei selbst ein Schnippchen? Wo
wähnt sich der Mensch edel, wo er eigentlich nur fortschrittsfeindlich
und konservativ ist? Wo behindert sich Ethik selbst, und wo -
im Gegensatz dazu - gefährdet blinder Ehrgeiz unmittelbar
den Fortschritt? Welche Möglichkeiten für die Zukunft
verhindern wir aber eben gerade dadurch, dass wir die Optimierung
anstreben?
Die kosmetische Chirurgie scheint den Gesetzen der Evolution auf
groteske Weise zuwiderzulaufen: Die gängige Entwicklungstheorie
besagt, dass sich bestimmte Merkmale im Laufe der Zeit dadurch
durchsetzen, dass sie in Bezug auf die Fortpflanzung "erfolgreich"
sind. Sind also beispielsweise Stupsnasen überlebensstrategisch
von Vorteil, so werden kurze Nasen vom jeweils anderen Geschlecht
als sexuell besonders attraktiv angesehen, Sexualpartner mit diesen
Merkmalen werden bevorzugt, und die kleinen Nasen setzen sich
langfristig durch. Was aber nun, wenn sich in diesem System die
Menschen mit langen Nasen - durch die kosmetische Chirurgie ermöglicht
und durch modische Vorlieben im "Selbstverwirklichungsmilieu"
legitimiert - ihre großen Nasen zu kleinen umoperieren lassen
- und somit das instinktiven Reizen folgende Auswahlverfahren
täuschen? Haben dann unsere Enkelkinder alle ganz lange,
große Nasen, obwohl uns doch allen die kleinen Nasen gefallen,
und wir ja auch solche kleine Nasen haben - unser Genmaterial
aber nicht?
Inwieweit ist es demzufolge von evolutionstheoretischer Relevanz,
wenn der "künstliche" Fortschritt menschlicher
Optimierungsverfahren den "natürlichen" Fortschritt
evolutionärer Veränderungsprozesse dergestalt verwirrt?
Was
bedeuten verschiedene staatliche Gesetzgebungen in unterschiedlichen
Nationen für die wissenschaftliche Weiterentwicklung? Welches
Potential haben moralisch lockerer konstituierte Länder -
nicht nur im Jahr 1967, sondern auch noch heute -, wenn es darum
geht, gegenwärtig zweifelhafte Forschung zu betreiben? Gerade
Schwellenländer sind meist hoch entwickelt, können sich
aber den "Luxus der Moral" oft einfach nicht "leisten",
und so können örtliche Auslagerungen sozusagen als Laboratorien
wissenschaftlicher Grenzgänge dienen. Wo benützen wir
andere Länder, um "zuhause" ethisch sauber zu bleiben,
und trotzdem dem Bedürfnis nach Progressivität nachzugeben?
Und wo werden uns unabhängig davon solche anderen, abweichenden
Gesetzmäßigkeiten zur Horrorvision westlicher Wertvorstellung?
"It
began in Afrika" zeigt einen eitlen und herrischen Affen,
der menschliche Augen und eine menschliche Nase hat, die ihm offenbar
chirurgisch verpflanzt worden sind. Der Schimpanse - ein Symbol
für den Darwinismus und die mit dieser Erkenntnis verbundene
Kränkung des menschlichen Narzissmus - gibt den ihm hofierenden
Chirurgen Anweisungen, wo man weitere kosmetisch-chirurgische
Eingriffe durchführen könnte.
Es begann in Afrika, wo "der Affe" in Millionen von
Jahren zum Mensch wurde.
Und jetzt wird der Affe direkt von Menschenhand, von "Göttern
in Weiß", transformiert. Den Chirurgen steht die Angst
ins Gesicht geschrieben - wir schaudern vor den Geistern die wir
riefen.
Der Affe repräsentiert jedoch auch die Evidenz unseres eigenen
Willens - fernab vom Opfer-Diskurs. Wir sähen uns oft gerne
als Opfer repressiver Gewalt von "oben", doch ist es
vergleichsweise nicht die staatliche Vollmacht eines "Big
Brothers" aus dem Roman "1984", der uns rund um
die Uhr beobachtet, sondern wir sind es selbst, die sich freiwillig
und eifrig in den Big-Brother Container begeben. Es befehligt
uns auch niemand, unsere Nasen verkleinern zu lassen - dieser
Wunsch kommt scheinbar aus uns selbst. Es sind indirekte Mechanismen,
die uns zu solchen Handlungen treiben.
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